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Rezension Atlantis Kino 2011
Stefan Rutz schreibt über das Konzert im Atlantis Kino:
"Kritlover meint: Kritlover, siehe auch im Netz unter kritlover.de sind, wie sie es selbst ausdrücken: Powerpop mit Elektroblitzeinschlag. Dann der Slogan: angefangen hats minimal, jetzt fetzts phänomenal. Die Band besteht aus Anne Wichmann alias Biggi Kritlover, sie singt, Oliver Guse, Gitarre, Axel Koch Schlagzeug und Wolfgang Schneider, Bass. Oliver Guse sorgt auch für computerprogrammierten Sound. Gestern spät gaben sie im Atlantis Kino an der Schwanthaler-Strasse in München ein kleines Konzert (immer donnerstags ab 22.30 finden in diesem Kino Live-Events mit Musikern aus München und Umgebung statt). Die Einladung verhiess „gechillt rumsitzen, Filme der anderen Art sehen, Musik hören, Cola und Popcorn oder Bier und Peanuts schlürfen und mümmeln“. Na ja, das war dann doch ein bisschen mehr. Die Band, die schon lange zusammen ist, scheint in einer Phase innovativen Pushs und keck-kreativer Impulse zu sein. Mit grossem Spass stellen sie für die Songs Videoclips zusammen aus Filmschnipseln (oder machen gleich ihre eigene Langnese-Eis-Parodie), thematisch angelegt, zum Beispiel den Johnnies von Weissmüller über Wayne bis Goethe gewidmet, Ungeheuern wie Godzilla aus Korea, der Zeichentrickfigur Nick Knatterton, Hollywood- und Bollywood-Sehnsüchten oder schlicht Ungetümen von Damenschuhen oder dem Starsein aber auch Videogames werden zitiert. Die Anne singt und ruft und röhrt und haucht. Sie ist gedresst wie eine Raumfahrerin oder in einer Art körperengem Neoprenanzug. Der ist verziert mit Leuchtdioden, die sind wie Schnittmuster geometrisch angeordnet und phosphoreszieren in unterschiedlichen Rhyhtmen; während ihr schwarzes Haar sich wie ein Schatten vor den Leinwandgrössen bewegt und zu den Songs spielt der Computer ein präprariertes Echo ein. Die Band sitzt vor der Leinwand, durch die Leuchtketten, die sich auch an Gitarren oder auch an einem anderen Musiker finden, stösst die Leinwand praktisch in die dritte Dimension vor: 3D ohne lästige Brillen und Lichtverlust. Anne singt ihr Verhältnis zu den Dingen mit Grips und Gefühl und Witz raus, unbekümmert darum, sich einer Stilrichtung anpassen zu müssen, das was sie bewegt; das macht es so persönlich. Durch die Kombination all der Elemente wird das Ganze zu einem Event, zu einem Kunstanlass schier, bei dem man nur staunen kann, in welche Welten die einen entführen. Wie die Kino und übers Kino das Leben reflektieren, mit ihm in Interaktion treten. Und sympathisch: dass so kein Gout von Karrierismus dabei mitschwingt."
(Stefan Rutz)
www.rutzactor.de
